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An der Eingangstuer unserer Niederlassung in Sofia klebt ein Piktogramm, das eine Pistolein einem roten Kreis darstellt. Durchgestrichen. Selbiges "Verbotszeichen" fiel mir auch an anderen Orten in Sofia auf.

Da stellt sich dem kritischen Beobachter natuerlich die Frage, ob dieses Piktogramm lediglich das Abfeuern einer Schusswaffe oder das Tragen selbiger im Allgemeinen unter Verbot stellt.

Wie dem auch sei - als ob jemand, der die Verwegenheit besitzt, eine Feuerwaffe mit zur Arbeit zu bringen, sich von einem Hinweis dieser Art beunruhigen liesse! Zur Rede gestellt wird sowieso klar sein, wer die schlagkraeftigeren Argumente besitzt.
9.10.09 07:33


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Durchzug

Heute ist der erste Tag - seit ich mich erinnern kann - an dem ich die Fenster im West- und Ostflügel meiner Wohnung öffnen kann und dazwischen so etwas wie Luftzirkulation entsteht.

Temperatur genau richtig unter 30 Grad und der Feinstaubgehalt unterhalb der Schmerzgrenze. Wenn jetzt noch die Lärmmaschine draußen für ein paar Stunden versagte - der Tag wäre perfekt.

Das letzte Mal, als ich unter diesen Bedingungen einen Samstagnachmittag verbringen durfte, muss irgendwann im Februar gewesen sein. Zur Zeit des letzten Eintrags.

Zwischenzeitlich ist entweder nichts erwähnenswertes passiert in meinem Leben oder ich war einfach zu benebelt. Opfer der allsommerlichen Matschbirne, die so unvermeidlich ist in einem Moloch wie diesem. Endlich ist Herbst, das Hirn darf wieder arbeiten.
12.9.09 07:59


Taipei Open 2009

Verwunderte und bisweilen sogar entsetzte Blicke erntete ich in meinem Shanghaier Bekanntenkreis als ich Taipei als mein diesjähriges „Sommerurlaubsziel“ nannte. Auch wenn Ilha Formosa ein verkanntes touristisches Juwel sein mag, so sind es doch die Strände Balis, Thailands und Vietnams wohin die Shanghaier Expats der sommerlichen Hitze, dem Smog und dem Baulärm entfliehen.

Aber erfahrungsgemäß ist eine Woche Schiedsrichtereinsatz weitaus wohltuender für das seelische Gleichgewicht als in Phuket zu liegen und tatenlos zuzusehen, wie die südostasiatische Sonne einem die zarte Haut verbrennt. Und für die einmalige Chance, bei den diesjährigen Taipei Open vom 25.-30. August als Schiedsrichter dabei sein zu dürfen nahm ich liebend gerne eine Woche Urlaub in Kauf.

Ein kurzer, dreitägiger Zwischenstopp in Hongkong zur Entspannung in den New Territories sollte zum Auftanken reichen, bevor ich am Montagmorgen Richtung Taiwan weiterflog. Mehr als früh genug um erst kurz mein Zimmer im Sheraton zu beziehen und noch eine Runde durch die Stadt zu ziehen bis zum eröffnenden Briefing der Technical Officials um 18:00 Uhr.

Denn ab Dienstag um 10:00 Uhr war nicht mehr viel Zeit für touristische Aktivitäten. Bis Samstag täglich Einsätze von morgens um 10 bzw. 12 Uhr bis zumindest 20 Uhr abends ließen keinen Raum für große Sprünge. Taipei 101 schafften wir am Donnerstagabend gerade noch eine Minute bevor die Ticketschalter schlossen – Pflichtprogramm damit erfüllt!

Neben den lokalen und einigen Gästen aus asiatischen Nachbarländern war ich der einzige westliche Schiedsrichter im Einsatz in Taipei. Auch die beiden Referees kamen aus Japan und China.

Ein demografisches Verhältnis, das sich im Teilnehmerfeld ähnlich wiederspiegelte. Außer einer Handvoll junger Dänen und Franzosen hatte sich so knapp nach der WM kein Europäer auf die Insel verirrt. Und für diese war spätestens im Viertelfinale Endstation.

Das Turnier war somit dominiert von asiatischen Spielern und obwohl die chinesische Armada und einige andere Topspieler sich noch von den WM-Strapazen ausruhten war das Niveau extrem hoch.

Malaysia, Korea und Indonesien waren ziemlich stark vertreten - dass die Taiwanesen in dieser illustren Gesellschaft auf der Euphoriewelle des Heimvorteils die Siege im Dameneinzel und Herrendoppel einstrichen war geradezu sensationell. Die Spiele der Gastgeber sorgten so bereits ab der ersten Runde für ausgelassene Stimmung und packende Atmosphäre im Xinzhuang-Gymnasium.

23 Einsätze durfte ich am Ende des Turniers verbuchen, darunter das Semifinalspiel zwischen Hafiz Hashim und dem späteren Turniersieger Nguyen sowie ein Herrendoppelhalbfinale. Zum ersten Mal seit langem stand ich wieder vor der Herausforderung bei einem großen internationalen Turnier Scoresheets von Hand auszufüllen. Plötzlich hieß es wieder Multitasking statt blindes „Links-rechts-tippen“.

Beunruhigend, wie schnell man verwöhnt wird von den heutzutage bei Circuit-Turnieren üblichen Touchscreens. Aber nach dem ersten Spiel und einem Scoresheet, das aussah, als hätte sich jemand an einer Zauberformel für Kernfusion versucht, war ich erstaunlich schnell wieder flüssig.

Ansonsten liefen meine Spiele ohne große Zwischenfälle ab. Ausgezeichnete Linienrichter - rekrutiert aus lokalen Schiedsrichtern - reduzierten Diskussionen auf ein Minimum und die Zusammenarbeit mit den anderen internationalen Schiedsrichtern war gewohnt professionell.

Off-court war ebenso für ein tolles Umfeld gesorgt; die Veranstalter und vor allem die lokalen Schiedsrichter setzten alles daran, den Gästen den Aufenthalt so unterhaltsam wie möglich zu machen.

Bankette und Abendessen sowie Sightseeing wo immer es der dichte Einsatzplan erlaubte machten die Taipei Open zu einem unvergesslichen Erlebnis. Zum Abschluss am Sonntagabend wurde noch einmal ein üppiges Bankett für alle Mitarbeiter, Technical Officials und Ehrengäste (u.a. war BWF-Präsident Kang angereist) aufgetragen, bevor sich die Beteiligten im Laufe des Montags wieder in alle Winde zerstreuten. Für mich ging es über den kurzen Umweg Hongkong wieder zurück nach Shanghai – zurück in den Alltag.
12.9.09 07:46


Samstagnachmittag, Renmin Road (Ecke Huaihai)

Schade, dass ihr dieses Schauspiel nicht live mitverfolgen könnt. Was da gerade 18 Stockwerke tiefer vor meinem Fenster auf der Kreuzung abgeht: ein Wahnsinn. Und das schon den ganzen Nachmittag.

Ich zähle 35 Linienbusse in meinem Blickfeld. Die „Lücken“ ausgefüllt von PKW, Mopeds und Fahrrädern. Und dazwischen ein Polizist. Und da beklagen sich die Leute immer, dass es in Shanghai zu wenig Parkplätze... Jetzt schaut euch das an! Unglaublich! ... Was ich sagen wollte: die ganze Stadt ist ein Parkplatz. Und gebührenfrei dazu!

Wenn man heute... Jessas, was passiert jetzt? Der will doch nicht? O je, jetzt steht er quer! ... Ich meine, wenn man heutzutage... Und was macht der? Ja, genau, das hab ich mir gedacht! Seht ihr? Seht ihr?! Ha! Genau so hab ich mir das vorgestellt! Jetzt geht gar nix mehr, aber vielleicht hilft das Hupen... Wie gesagt, wenn man heutzutage in Shanghai... Aaah doch, da bewegt sich... Na, bitte!

Also, wo war ich noch einmal stehen geblieben? Ach ja, wenn man heutzu... Was hat der Kieberer denn jetzt wieder vor? Warum fuchtelt der so deppert rum? Das kann nicht gut gehen! Hab ich doch gesagt! ... Also wie gesagt, wenn man im Shanghai der heutigen Zeit... Jetzt, reindrücken, jawohl! Von links, genau! Hupen hilft! Einer geht noch! Rechts auch! Hupen, hupen! Und, jetzt schaut euch den Deppen in dem blauen Ford an! Na geh!

Bitte vielmals um Entschuldigung wenn ich über das angeschnittene Thema ein anderes Mal weiterschreibe, aber das Schauspiel da unten muss ich mir jetzt doch noch einmal genauer ansehen.
7.2.09 10:18


Wer hat’s erfunden?

Wer jemals das Frühlingsfest, das chinesische Neujahr nach dem Mondkalender, in China gefeiert hat, der wird mir wohl zustimmen, dass die Jungs hier keine Sekunde Zweifel aufkommen lassen, wer die verdammte Böllerei erfunden hat.

Was hier zum Frühligsfest verballert wird, lässt jeden Brot-statt-Böller-Aktionisten verstummen, ja sogar die Existenz von Getreide an sich vehement abstreiten! An „Chuxi“, dem chinesischen Silvester, herrschte dieses Jahr (wie jedes Jahr) in Shijiazhuang bereits ab dem Morgengrauen eine Geräuschkulisse wie in Bagdad unter der Bush-Regierung.

Kaum war abends dann die Dunkelheit hereingebrochen stiegen die ersten Raketen und um 20:00 Uhr war zwar nicht Busennacht, doch eine Feuerwerksstimmung wie zuhause um 0:00 Uhr an Silvester – zu Zeiten bevor der Bruder in Not geraten war.

Um 0:00 Uhr Pekinger Zeit schaffte man es schließlich – man glaubt es kaum – noch ein paar Schäufelchen draufzulegen. 40 Minuten lang wurde die Nacht zum Tag. Klangfeuerwerke wären zu diesem Zeitpunkt völlig absurd gewesen, das einzige was zu klingen hatte, waren die Ohren. Tinitus auch bei geschlossenem Fenster mit Zweifachverglasung.

Auch die Ursache der Wirkung darf genauer unter die Lupe genommen werden: was die Munition betrifft lässt man sich hier nicht lumpen. Die Geschosse, die hier privat auf der Straße gezündet werden hat normalerweise nur der Fürst von Liechtenstein im Arsenal und für die hiesigen Böller braucht man anderswo einen Waffenschein.

Den ganzen Tag und die ganze Nacht lief bei jedem dritten Auto die Alarmanlage, weil die sensible Technik die Schallwellen mit Brechstangen verwechselt haben musste. Aber Gott sei Dank hat man das lästige Gedüdel – wenn überhaupt – nur peripher wahrgenommen. Denn es ging genauso wie die Sirenen der Feuerwehr im allgemeinen Tohuwabohu unter.

Geböllert wurde dann eigentlich die folgenden Tage durchgehend, bis am fünften Tag des neuen Jahres die Knallerei ihren abschließenden Höhepunkt erreichte. „Po-wu“ heißt der Tag, „po“ bedeutet so viel wie „durchbrechen“ oder „kaputt machen“, „wu“ ist schlicht die Zahl „fünf“. Man darf also getrost eins und eins zusammenzählen; „Po-Erduo“ wäre eigentlich passender, da die Lauscher bereits vor dem Frühstück kurz vor der Aufgabe sind.
31.1.09 15:13


Freizonen

Obwohl Shijiazhuang nur zwei bis drei Zugstunden südwestlich von Peking liegt zählt Hebeis Provinzhauptstadt bereits zur starbucksfreien Zone Chinas. Und das heißt wirklich weg vom Schuss!

Eigentlich war ich ja nie ein Kaffeetrinker, mehr ein Schlürfer der gelegentlichen Tasse Instantbrühe. Hier in China ist der Kaffee jedoch der letzte Halm „okzidentaler“ Kultur, an den ich mich verzweifelt klammere – und Starbucks die rettende Boje in den stürmischen Wogen des Kulturschocks.

Nach einer Woche Shijiazhuang lechzte es mich bereits wieder nach einem brühend heißen Becher schwarzen Kaffee, in behagliche Franchise-Polstersesseln schmiegend inhaliert. An der zog ich auch genüsslich in der Filiale in Soho in Peking, nachdem ich mich eine Woche lang von Maxwell House ernährt hatte.

Doch trotz des vermeintlich hinterwäldlerischen Flairs überraschte Shijiazhuang wieder aufs Neue mit einer Weltmännigkeit auf einem Gebiet, welches in diesen Breiten für gewöhnlich zur Gänze Hongkong besetzt.

In dieser einen Woche ist mir in dieser kleinen Großstadt lediglich ein Nicht-Chinese über den Weg gelaufen – ein Pakistani -, doch wer glaubt, der gemeine Westler wäre deshalb den üblichen Belästigungen, mit denen ein Exot unter Exoten zu kämpfen hat, ausgesetzt, der liegt falsch.

Kein Nachstarren, keine Hello- oder Lao-Wai-Rufe, keine ausgestreckten Kinderzeigefinger und kein plumpes Anbaggern. Hier herrschte wieder einmal höfliche Distanz und abgeklärte Gelassenheit. Selbst die neugierigen Blicke, die einen in China normalerweise stets von Kopf bis Fuß abmessen, scheinen in Shijiazhuang unschicklich zu sein.

Ehrlich, da könnten sich die Kosmopoliten Shanghais und Pekings eine ordentliche Scheibe abschneiden!
31.1.09 15:09


Zur Jahreswende

Wie schön, dass
ich in Shanghai bin,
wo’s draußen
wärmer ist als drin.


Mei Nuanqi (* 851; † 902)
Späte Tang-Zeit
19.1.09 15:38


Der Stand der Technik

Also was einem heutzutage auf europäischen Flughäfen alles an neuester Technik geboten wird, Holla die Waldfee! Da gehts ab, sage ich euch!

Zwar muss man auf dem Fraport – warum verspür ich nur gerade ein unbändiges Verlangen nach einem kühlen Nescafé mit buntem Strohhalm? – immer noch über eine gewisse Grundkondition verfügen, um vom einen Flug zum nächsten zu kommen, doch wenn man dann mal erschöpft am Gate sitzt, dann fangen die Organisatoren an alle Register zu ziehen.

Schon nach wenigen Zeilen der ersten Seite war klar, der Lufthansa-Flug nach Shangheim wird ein voller werden. Davon zeugten nicht nur die vielen Menschen, sondern auch der elegante LCD-Bildschirm über meinem Schädel, welcher die Warteliste öffentlich verwaltete. Also nicht der Schädel, natürlich der Bildschirm – oder das System dahinter – verwaltete. Toll anzusehen! Wirklich hübsch dargestellt.

Ein paar Minuten später schlug mein mit der Leserei beschäftigtes Hirn plötzlich unbewusst Hochalarm. Die Augenwinkel hatten ein paar beunruhigende Daten eingefangen. Und tatsächlich: da hatte es jemand von der Warteliste auf den Flug geschafft, indem er sich meinen Sitzplatz erschlichen hatte!

Bange Minuten der Ungewissheit bis zum Boarding folgten. Dann das übliche Gedränge unserer asiatischen Freunde und Tumult vor den Toren. Jetzt war ich an der Reihe. Keine Abzwicker-Lady dieses Mal; stattdessen eine elektronische Schranke und ein Supermarkt-Barcodeleser. Ah ja, die haben jetzt ja 2D-Codes, diese Tickets. Also ein Wahnsinn sage ich euch! Was es heut alles gibt!

Kurzes Zögern. Den Zettel auf die Scheibe gelegt. Grünes Licht. Ich darf durch! Muss nicht in Frappéfurt bleiben! Ja, Gott im Himmel, nein, der Technik sei Dank! Mit frischem Elan wollte ich weiter stürmen, als rechts vor mir ein weißes Stück Papier aus dem Schlitz schoss. Was, gibts jetzt schon Pfand beim Fliegen?

Nein, haltet euch fest: da stand drauf, dass ich einen neuen Sitzplatz zugewiesen bekäme. 32J statt 48J. Vor lauter Entzückung über den Fortschritt der Technik und den beinfreien Platz am Notausgang, den er mir beschert hatte konnte ich neun Stunden lang kein Auge zu machen.

Und da war dann auch gleich Schluss mit der Entzückung, da mein Soundsystem nicht funktionierte und ich neun Stunden lang meditieren musste. Zwar wird man von der Lufthansa mit einer Flasche Rotwein bestochen aber da hat man in dem Moment ja auch nichts davon – so ganz ohne Öffner und kurz vor der Landung.
19.1.09 15:36


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