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Mein Kampf

Viele Chinareisende haben zu kaempfen, weil kaum ein Chinese der englischen Sprache maechtig ist. Selbst hier in der Metropole Shanghai stoesst der „unkundige“ Auslaender mitunter auf arge Probleme, will er dem Taxifahrer ohne vorgefertigtes Adresskaertchen den Weg erklaeren oder der Bedienung im Restaurant seine Sonderwuensche kundtun.

Ganz andere Sorgen hat da jemand wie ich. Fortschritt hin oder her, aber ich sehe zum Beispiel ueberhaupt nicht ein, warum ich als Auslaender bei Starbucks meinen Kaffee auf Englisch bestellen muss. Dazu ein Dialog, wie ich ihn jeden Tag – immer wieder leicht variierend - in ein und der selben Filiale fuehre; provokativer Weise meistens mit den selben Leuten:

Ich, hoffnungsvoll bestellend: „Benri ka-fei, xiao de.“
Sie, enthusiastisch: „Small coffee of the day! Would you like some cake or sandwich?“

Anfangs hatte ich darauf mit einem resignierten „Bu yao, xiexie!“ geantwortet. Doch mittlerweile bin ich dreist geworden:

Ich, sie mit ausdrucksloser Miene anstarrend: „-.“
Sie, an der Kasse hantierend: „Do you like a Cake?“
Ich, mittlerweile Virtuose im verstaendnislos schweigenden Starren: „-.“
Sie, mit einem Anflug von Panik: „CAKE?“
Ich, verwundert fragend, was sie eigentlich will: „Shenme?“

Mir einen Kuchen anzudrehen hat sie zu diesem Punkt ganz bestimmt aufgegeben. Jetzt die spannende Endentscheidung ueber den Tagessieg. Sagt sie den Preis auf Chinesisch, geht die Runde an mich. Tut sie es auf Englisch, muss ich wieder einmal eine vernichtende Niederlage hinnehmen.

Nicht, dass dies fuer mich die einzige Moeglichkeit am Tag ist, Chinesisch zu sprechen. Aber es ist einfach erniedrigend, wenn man bei der Arbeit wirklich anspruchsvoll in dieser Sprache kommunizieren muss, bei Starbucks aber Schlitzaugen braucht, um seinen Kaffee auf Chinesisch bestellen zu duerfen.

Anders verhaelt es sich beim naechsten Beispiel. Die Dame an der Kasse bei Giordano war ahnunglos und hilfsbereit, als ich meine gerade ausgewaehlten Klamotten auf die Theke legte und bezahlen wollte. Und ich war in meiner eigenen Welt und hatte mit so etwas gar nicht gerechnet:

Sie, freundlich laechelnd: „Seven hundred fifty six Yuan, please!“
Ich, die Ohren auf einer anderen Frequenz: „Aah?“
Sie, noch einmal freundlich: „Seven hundred fifty six.“
Ich, wirklich voellig auf der Leitung stehend: „Aah?“
Sie, total verunsichert: „Seven hundred fifty six?“

„Ja habe die Ehre!“ denke ich mir. „Was stimmt denn jetzt wieder nicht und was zum Teufel ist das fuer ein verflucht komischer Dialekt?“

Ich, vor Scham bereits rot werdend: „Shenme?“
Sie, Luft holend zum letzten Versuch ansetzend: „Qibai wushi liu!“

„Achso!“ Jetzt fiel der Groschen endlich. Ich zueckte den Geldbeutel. Das Maedchen tat mir ein wenig Leid, sie ist nun wahrscheinlich in ihren Bemuehungen, Englisch lernen zu wollen, voellig desillusioniert. Waehrend ich im Gegenzug fuer einen Moment voellig verschreckt gedacht hatte, nicht einmal mehr einkaufen gehen zu koennen.

Beruhigende Konstanten sind da dann schon die Leute bei Lawson und Alldays. Die Damen gesetzten Alters, die in den Supermarktfilialen in meiner Strasse arbeiten, sind naemlich der Meinung, dass auch der bloede „Russe“, der da hin und wieder Wasser kauft, sich anzupassen hat.

Sie, auf Shanghainesisch: „Lo’ kuae ssae!“
Ich gebe ihr schweigend ihre 6,30.
Sie, monoton: „Sseanno, zae waeh!“
28.12.06 04:21
 



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