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Shanghai 2011

Irgendwas hat da neulich ein Kribbeln in meinen Fingerspitzen ausgeloest.  Etwas, das nicht so einfach mit einer Statusmeldung auf Facebook therapeutisch abgearbeitet werden konnte. An Einzeilern geht die Welt naemlich zugrunde. Davon bin ich felsenfest ueberzeugt.

Dieses ganze Microgeblogge wird manchen Dingen einfach nicht gerecht. Dieses Zurechtstutzen umfangreicher Sachverhalte zu einer kurzen Pointe; dieses Simplifizieren vielfaeltiger Betrachtungsweisen zu einem einzigen dumpfen Halblacher. So viel Ungesagtes geht verloren, weil man einem "Freundeskreis" nicht mehr Aufnahmefaehigkeit zutraut.

Nach ueber einem Jahr "Koma" ruettelt mich also eine Notiz der Hausverwaltung am schwarzen Brett wieder wach. Ein simpler Wisch in A4-Format der mir wieder in Erinnerung ruft wo ich eigentlich bin und wie abgestumpft ich gegenueber den alltaeglichen Absonderlichkeiten geworden bin.

Shanghai, am Beginn des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts. Shanghai, die Perle des Orients, die Hure des Ostens, boomendes Wirtschaftszentrum einer aufstrebenden Nation die sich mit ihrer zigtausendjaehrigen Geschichte als Wiege der Zivilisation versteht.

Und da schau her: Schriftlicher Hinweis der Hausverwaltung eines modernen, acht 32-stoeckige Appartmentblocks umfassenden Compounds im unmittelbaren Stadtzentrum, dass das Urinieren und - man verzeihe mir die ungehobelte Ausdrucksweise - Scheissen im Treppenhaus und Eingangsbereich untersagt ist. So die sinngemaesse Uebersetzung.

Man lese und staune, augenscheinlich herrschte bis dato unter den Bewohnern der Anlage kein Konsens darueber wo der Stuhlgang zu verrichten ist. Folglich sah sich die Hausverwaltung gezwungen mit diesem ausdruecklichen Verbot Klarheit zu schaffen und eventuelle Zweifel aus der Welt zu raeumen. 

Es darf daher nicht verwundern, wenn es mich geradezu euphorisch stimmt nun die Gewissheit zu haben, nicht in einem Scheisshaus zu leben. Ich war mir da zuletzt nicht mehr ganz sicher nachdem ich ein paar Wochen zuvor bei meinem taeglichen Workout (dem Aufstieg zu Fuss in die 18. Etage) auf halbem Weg beinahe in einen knoecheltiefen Haufen gestiegen waere, welcher der Groesse und Beschaffenheit nach zu urteilen offensichtlich nicht von einem Schosshuendchen oder Kleinkind stammte. Nicht dass letzteres die Sache ertraeglicher gemacht haette.

Nicht ohne Stolz kann ich somit behaupten in einem der fortschrittlichsten Wohnanlagen Shanghais zu wohnen. Soweit mir bekannt ist, ist dies einer der ersten Compounds der Stadt, der dieses Verbot erfolgreich in der Hausordnung verankert und durchgesetzt hat. Andernorts mueht man sich noch mit dem Rauchverbot ab. Die 00er-Jahre sind vorbei, willkommen im neuen Jahrzehnt. Andere Laender, andere S(h)itten.
11.3.11 09:52
 



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