The World According to Dave www.toDave.de

  Startseite
    | China 2011
    | Alltäglich
    | China 2009
    | China 2008
    | China 2007
    | China 2006
    | China 2005
    | Afrika 2008
  Über...
  Archiv
  BUCH zum BLOG
  Landkarte China
  Bildlich

The World According to Dave www.toDave.de

http://myblog.de/todave

Gratis bloggen bei
myblog.de





Obst und Pisa

Frisoergespraeche lagen mir noch nie besonders. Krampfhaft ein jedes Mal mit der gleichen Frisoese die selben Banalitaeten auszutauschen empfand ich immer schon als psychisch eher belastend denn erleichternd.

Daran hat sich auch in China nichts geaendert, obwohl das Personal in der Regel eher maennlich ist. Also vermutlich kein freudsches, sexuell orientiertes Problem sondern viel mehr ein prinzipielles. Meine Schweigsamkeit im Frisoersalon erlaubt es mir jedoch, in der Rolle des passiven Beobachters gesellschaftlichen Themen auf den Grund zu gehen.

Zum Beispiel liess mich gestern waehrend der obligatorischen Nackenmassage die folgende Frage nicht mehr los: was bewegt die chinesische Dame Ende Zwanzig, Anfang Dreissig neben mir dazu, ihr Mobiltelefon - so eines mit beruehrungsempfindlichem Display, Marke Apfel - in eine rosa Gummihuelle mit fuenf Zentimeter langen Hasenohren zu zwaengen?

Ich moechte gar nicht wissen, was Sigmund dazu zu sagen haette! Nach dem Foehnen hatte ich aber bereits meine eigene kleine Theorie, welche die Schuld fuer den allgemeinen Hang zum kindlichen Kitsch, den der Grossteil der Damen hierzulande hat, einer kleinen italienischen Stadt mit einem krummen Phallus in die Schuhe schiebt.

Naja, nicht unbedingt der Stadt oder ihrem Phallus selbst, aber zumindest der Studie, die nach dieser Stadt benannt wurde. Wobei eine Studie wiederum kaum fuer Hasenohren am Obsttelefon zur Verantwortung gezogen werden kann, das geb ich zu. Das waere ja verhehrende Verleumdung.

Nein, es war viel mehr die Bedeutung des Ergebnisses dieser Studie und inwiefern dieses ueber die reine Leistungsbewertung hinaus Aufschluss ueber das soziale Verhalten der untersuchten Gruppe gibt, was mich in diesem Zusammenhang zu einer These verfuehrte.

Repraesentativ fuer China hat Shanghai bei dieser Studie die europaeischen Schueler zweifelsohne in den Schatten gestellt und diese um mehr als eine Hasenloeffellaenge geschlagen. Was vor allem die Bildungsbeauftragten in Deutschland und Oesterreich bestuerzt ueber Reformen diskutieren liess.

Ist unser Bildungsystem veraltet, unsere Form zu Lehren unzeitgemaess? Werden wir mittelfristig von China abgehaengt? Zeigt uns China in Zukunft etwa wie der Hase laeuft?

Ich denke hier laeuft man ein wenig Gefahr, die beruehmten Aepfel mit 
Birnen zu vergleichen. Und dabei spreche ich nicht von Mobiltelefonen. Warum? Aehnlich wie bei den Japanern stehen auch chinesische Kinder und deren Eltern unter extremem Leistungsdruck.

Mit eineinhalb Jahren sollte ein Kind in China zumindest das Integralrechnen beherrschen und waehrend der Schwangerschaft wird der Mutterleib mit Tang-Gedichten beschallt, welche das Neugeborene kurz nach dem Durchtrennen der Nabelschnur fehlerfrei rezitieren muss um mit 18 an einer namhaften Universitaet aufgenommen werden zu koennen.

Statt Bilderbuecher gibt es praktischerweise Woerterbuecher mit Tausenden kleinen klassischen Schriftzeichen; die Rassel wird bereits im zarten Alter von zwei Jahren durch einen Geigenbogen ersetzt. Die Gutenachtgeschichte gibt es nach einem zwoelfstuendigen Arbeitstag viersprachig und beim Schlafen werden die Kinder mit "Grammatik im Alphazustand 1-5" ueber Kopfhoerer berieselt.

Wie daher unschwer nachzuvollziehen, ist es ein Ding der Unmoeglichkeit, dass eine oesterreichische Bauerntrampel, die die Kindheit im 
Garten im Baumhaus verbracht hat jemals bereits in der Grund- oder Mittelschule diesen Rueckstand aufholen kann. 

Im Gegenzug ist es um so einleuchtender, dass ein Mensch, der niemals eine sorglose Kindheit mit Spielzeug und Unfug hatte, im Erwachsenenalter zwar in Bezug auf Schulwissen eine Intelligenzbestie ist, sozial aber so manchen Nachholbedarf hat. Und dazu zaehlt auch, dass man sich in kindischem Schnickschnack vergraebt, wo immer sich die Gelegenheit bietet.

Aber dies sind natuerlich alles wirre, persoenliche Theorien, die jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Entsprechend moechte ich an dieser Stelle gerne eventuellen Kritikern vorweggreifen, die hier verzweifelt Zitierfehler suchen werden, bevor ich meine Bewerbung als Verteidigungsminister einreiche. Dies ist zu hundert Prozent mein eigenes Gedankengut. 
14.3.11 06:44
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung