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Die Grenzen chinesischer Hoeflichkeit

Es gibt so manche Alltagssituationen, da kann man zu 100% nachvollziehen, warum sehr viele Auslaender in China nach kurzer Anfangseuphorie und Eingewoehnungsphase alsbald entnervt die Waende hochlaufen und gefrustet an der Decke kleben bleiben.

Oft sind es schlichte Banalitaeten, die einen zur Weissglut treiben. Einer dieser Krisenherde ist der eklatante Mangel an dem, was der Westler als voraussetzbaren Mindestanstand bezeichnen wuerde. Interessanterweise sind die Chinesen der hoeflichste und zuvorkommendste Schlag von Menschen, kennt man das jeweilige Gegenueber persoenlich. Da sind sie so hoeflich, wie ihr Ruf.

Auf der Strasse aber wird der Unbekannte behandelt, wie der letzte Dreck. Wird einem hier einmal hoeflich der Vortritt gelassen oder charmant die Tuere aufgehalten, so sind das Ereignisse, die man vor seinen staunenden westlichen Kumpels nicht nur beim Gespraechsthema “Wunder gibt es jeden Tag” am Stammtisch vortragen kann. So ein Vorfall kann beliebig ausgeschlachtet und zur Story des Monats emporgehoben werden. Meist folgt darauf jedoch eine ganze Serie negativer Erfahrungen und die Stimmung faellt wieder tief in Richtung Bierglasboden.

Am Samstag musste ich wieder einmal eines jener Bierglasboden-Erlebnisse machen. Waren am Mittag zum Fruehstuecken in unserem Lieblingsnudelladen. Der Laden verfuegt - wie die meisten Restaurants und Geschaefte am Strassenrand – ueber eine jener Glastueren mit Isolierung a la Sinoise.

Das ist eine sehr schlaue Erfindung der Chinesen, die wie die europaeischen Doppelglasscheiben mit der Luftzirkulation arbeitet. Dieses landauf, landab beliebte Modell hat lediglich eine Glasscheibe, rundherum wird dafuer mindestens ein Zentimeter Platz gelassen, um die Luft ungehindert zirkulieren lassen zu koennen.

Das hilft nicht viel, aber wenn die Tuer geschlossen ist, haelt sie zumindest das Gros der hier momentan ihr Unwesen treibenden Polarwinde ab. Wenn die Tuer geschlossen ist, kann sich in dem Restaurant durchaus so etwas wie laue Waerme entwickeln. Wenn. Und da sind wir wieder beim Thema.

Waehrend der 30 Minuten, die wir da frierend sassen, kam kein einziger Gast auf die Idee, beim Betreten oder Verlassen des Ladens die verdammte Tuer zu schliessen. Es wird rein- und rausmarschiert wie ein Koenig; Tueren sind da, um von der Gefolgschaft geschlossen zu werden.

Drei Mal bin ich aufgestanden und habe sie demonstrativ geschlossen und weitere drei Mal haben wir eintretende Gaeste darauf hingewiesen, bevor die entnervte Aufgabe folgte. Zu diesem Punkt hatten wir schon eine Wette laufen, die ich ohne den Funken von Nervositaet gewinnen wuerde.

Kein Chinese – oder lassen wir ein wenig statistische Nachsicht walten: 99% der Chinesen scheren sich in so einer Situation einen Dreck darum, ob irgendeiner ihrer Mitmenschen in der Zugluft sitzt oder nicht. Der Gedankengang Tuer – Winter – Wind – Mitmensch ist fuer den Chinesen nur bis zum dritten Wort logisch nachvollziehbar. Der Naechste hat keinen Namen und ist damit de facto inexistent.
15.1.07 06:34
 



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