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Shanghaier Melange

Ich sitze bei meinem Mittagskaffee bei Starbucks in meine Lektuere vertieft. Schraeg rechts gegenueber unterhalten sich zwei chinesische Geschaeftsleute in Schlips und Kragen angeregt ueber Berufliches.

Zwei Personen setzen sich links von mir an den Tisch. Ich beachte sie nicht. “Herr, woher kommen Sie?” ruft ploetzlich einer der Neuankoemmlinge auf Chinesisch. Ich sehe vorsichtshalber nicht auf. “Shanghai!” antwortet einer der Geschaeftsleute. Gut, ich war nicht angesprochen. Ich sehe also doch auf und werfe einen Blick nach links.

Zwei Moenche in graublauen Kutten haben dort Platz genommen. Der eine Moench und der Geschaeftsmann kommen ins Gespraech. Der Moench erklaert, er komme aus einem Kloster in der Naehe von Xi’an. Den Namen habe ich nicht verstanden. Dem Geschaeftsmann war er ein Begriff, dort gewesen sei er jedoch noch nicht. Nach ein paar weiteren Saetzen bietet der Moench dem Mann einen Platz an seinem Tisch an.

Der Geschaeftsmann steht von seinem Platz auf und setzt sich auf den Stuhl, der ihm angeboten worden war. Der Moench beginnt leise zu sprechen. Er spricht so leise, dass ich nur ein paar Wortfetzen aufschnappen kann. Er spricht von Familie, Geld und Beruf. Mittlerweile habe ich erraten, dass sich der Mann von dem Moench Ratschlaege fuer die Zukunft geben laesst.

Aufmerksam hoert der Geschaeftsmann dem Moench zu. Als der Moench seine Weissagung beendet, drueckt er ihm ein rotes Kaertchen oder Buechlein in die Hand. Ich kann es nicht genau erkennen. Der Mann nimmt es zwischen seine gefalteten Handflaechen. Er hebt die Haende an die Stirn und macht wiederholt zackige Verbeugungen und bedankt sich.

Dann zieht er einen Ledergeldbeutel aus der rechten Innentasche seines Sakkos und kramt einen 100-Yuan-Schein hervor, den er auf den Tisch legt. Daraufhin steht er auf und setzt sich wieder zu seinem Kollegen, der in der Zwischenzeit mit seinem Mobiltelefon beschaeftigt war. Sie setzen ihr Gespraech von vorhin kommentarlos fort.

Der Moench laesst den Geldschein verschwinden. Er wechselt ein paar Worte mit seinem Begleiter. Es klingelt. Der Moench zieht ein Mobiltelefon aus den Tiefen seiner Kutte, klappt es auf und haelt es ans Ohr. “Wei? … Nein … Nein, ich bin in Shanghai.” (Auch Anweisungen von Oben wollen richtig adressiert sein) Weiter telefonierend packt er seine Tasche und verlaesst mit seinem Begleiter im Schlepptau den Raum.
28.2.05 17:13
 



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