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Alles Piraten?

Chinas WTO-Beitritt ist ja schon laengst kalter Kaffee, die Standards fuer Produktpiraterie und Urheberschutz sind in Kraft und sollten eigentlich bereits rigoros durchgesetzt werden. Dass dies in der Realitaet noch nicht der Fall ist, ja, dass man hier in Wahrheit noch Welten davon entfernt ist und die grossen DVD-Vernichtungsfestspiele nur der Show dienen, wissen wir auch.

Die Ursachen, weshalb es in China so schwer ist, derartige Gesetze effizient durchzusetzen sind vielfaeltig. Einer der Gruende mag vielleicht im Seelenleben des gemeinen Chinesen liegen, dessen Mentalitaet und Weltverstaendnis sich den Prinzipien von Urheberrecht und geistigem Eigentum hartnaeckig widersetzt. Ab diesem Punkt Schluss mit trockenem Theoretisieren, stattdessen ein aktuelles Beispiel aus der Praxis.

Der lokale Tischfussballverein, bei dessen Aktivitaeten ich immer mehr involviert bin, arbeitet momentan an einer Promotion-DVD. Diese Scheibe soll helfen, diesen Sport in China populaerer zu machen. Iniziiert hat dieses Projekt mein Kumpel Fred aus Kanada, seines Zeichens Expat, Hauptsponsor, Trainer, Advisor, Organisator und Spieler-Ikone in einem. Der Plan war, die Grundzuege des Sports sowie vereinfacht auch die Regeln mithilfe eines chinesischen Moderators und unserem chinesischen Meister aus dem fernen Chongqing auf Band zu kriegen und das Ergebnis scheibenweise an das Volk zu verfuettern.

Vergangenes Wochenende war eine grosse Zusammenkunft und Dreharbeiten bei Fred veranstaltet worden. Extra angereist dafuer mein Freund Dennis aus Qingdao, der dort Turniertische herstellt, und unser Mann aus Lanzhou. Nach einer Diskussionsrunde ueber die Festlegung der notwendigen Programmpunkte auf der DVD wurde der Beamer in Freds fetter Expatwohnung angeworfen und die Gesellschaft setzte sich an, ein paar amerikanische Foosball-DVDs zu begutachten, die uns als Vorbild dienen koennten.

Der Film ging los. Schweigendes Staunen. Kommentar aus der Runde: “Etwa so sollte dann das Endprodukt aussehen?” Die Frage wurde bejaht. “Die Uebergangssequenzen sind gut gemacht! Koennen wir die nicht uebernehmen?” Um ehrlich zu sein, diese Sequenzen waren etwas uebertrieben bombastisch und ausserdem mit englischsprachigen Woertern, die zudem voellig ueberzogen ueber den Schirm flogen. Die Moeglichkeit wurde verworfen.

“Also”, meinte Fred zoegerlich, “Wir koennten uns auch ueberlegen, manche Szenen mit einem chinesischen ‘overdub’ zu versehen und bei uns einzubinden.” Mehre Minuten Nachdenken. Dann meinte Herr Deng, der Obmann des Vereins: “Lass uns doch einfach die ganze DVD kopieren und ‘overdubben’, dann sparen wir uns die muehsamen Dreharbeiten!”

Darauf hatte ich eigentlich die ganze Zeit gewartet. Diese Aussage zeigt auch genau jene Leidenschaft, mit der man in den vergangenen Wochen an der Vorbereitung fuer dieses und andere Projekte beschaeftigt war. Es ist eines der vielen Beispiele, die in mir irgendwie das Gefuehl reifen lassen, dass es den Leuten in China einfach an der Ambition fehlt, Neues zu erschaffen oder wenigstens Altes zu perfektionieren. So ist es doch gut genug, warum unnoetig Energie verschwenden? Und so denke ich, erst wenn sich hier so etwas wie “Schoepfer-Spirit” entwickelt hat, wird auch in China der Schrei nach Schutz vor Ideenklau und Urheberrechtsverletzungen kommen.
18.1.07 04:25
 



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