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Out of the Box Thinking; In the Box Singing

Bleiben wir bei mobilen Themen. Bleiben wir beim Thema APP. Hierzulande gibt es eine Aipipi, die über allem steht. Die Über-APP. Die Triple-AAA-PP. Und das ist WeChat. Teutonisch: “WirSchwatz”. Der eigentliche Name ist “Weixin”, was so viel wie “Mirco-Brief” bedeutet. Was mit einem billigen Knock-off von WhatsApp begann, entwickelte sich neben Alipay in den vergangenen Jahren zur Mutter aller mobilen Applikationen. Was das bedeutet?

Neulich an einem Samstagabend stand Dinner in einem der angesagtesten Chongqing-Hotpot-Restaurants der Stadt an. Das Restaurant ist in der zweiten Etage einer kleinen Mall nur anderthalb Kilometer die Huaihai Road runter und war uns schon das ein oder andere Mal aufgrund der langen Warteschlangen aufgefallen. Lange Schlangen sind in Shanghai zwar nicht immer Garant für Qualität, sondern oft eher Ausdruck des stadtbekannten Lemming-Effekts, aber die Online-Rezensionen verhießen dieses Mal tatsächlich Gutes.

16:45 Uhr also kurz auf WeChat den offiziellen Account des Restaurants aufgerufen und via WeChat eine Nummer für die Schlange gezogen: noch 34 Tische vor uns. Der Fortschritt in der Warteschlange wurde in Echtzeit immer wieder aktualisiert - kein Grund für Stress also, es sollte reichen in einer Stunde aus dem Haus zu gehen.

17:45 Uhr, noch 22 Tische vor uns, machten wir uns langsam auf den Weg. Am Eingang zum Compound kurz durch Scannen des QR-Code am Lenker ein Mobike aufgemacht. Welch weihnachtliche Überraschung: der übliche monotone Klingelton beim Entsperren des GPS-Schlosses an den überall verfügbaren Shared Bikes wurde im Dezember durch eine Jingle-Bells-Melodie ersetzt! Dann gemütlich Richtung Restaurant gepaddelt. Kostenpunkt: 1 ganzer RMB.

18:00 Uhr, Ankunft beim Restaurant. Es waren immer noch 20 Tische auf der Uhr. Das konnte also dauern. Und was erblickten da meine smog-getrübten Augen? Ganze sieben Karaokeboxen direkt am Eingang des Restaurants. Das muss man sich so vorstellen: jeweils ein zwei, drei Kubikmeter große Kästen, einer großen Telefonzelle (kennt das noch wer?) nicht unähnlich. An drei Seiten verglast, mit Vorhängen. Darin: zwei Barstühle, zwei Ablageflächen, an der Rückwand ein 20-Zoll-Touchscreen, darüber ein großer 30-Zoll-Flatscreen. Daneben hängen zwei Mikrofone, zwei Paar Kopfhörer und drumherum viel buntes Bling-Bling.

Oft gesehen, noch nie probiert, war dies eine ausgezeichnete Gelegenheit die Wartezeit zu überbrücken. Türe auf, Mäntel an den Haken und los ging's. Nach einem kurzen Tippen auf den Touchscreen erschien ein QR-Code, der mit WeChat zu scannen war. Zack und bums, die KTV-Box war mit meinem WeChat-Account verknüpft und die Tarifauswahl erschien auf dem Touchscreen der Box. Wir wählten erst mal eine Stunde für CNY 75. Klick. Noch ein QR-Code erschien. Noch einmal mit WeChat gescannt und die Zahlung per WeChat-Wallet mit einem Fingerabdruck am Handy war bestätigt und Feuer frei.

Und wer dachte, das wäre bereits die Krönung der mobilen Evolution, der hat China grundlegend unterschätzt. Kaum den ersten Song geträllert, war die Audiofile mit der Aufnahme bereits auf WeChat verfügbar, bearbeitbar und mit Fotos ergänzbar. Mit einem kurzen Klick auf “publizieren” konnte man umgehend das eigene Musikstück an Freunde schicken oder über die WeChat Moments teilen. Jeder, der das Lied draufhin aufrief und anhörte konnte mit einem einfachen Klick einen monetären Applaus per WeChat Wallet spenden.

In der Zwischenzeit bewegte sich die Warteschlange vor dem Restaurant nur ganz, ganz behäbig. Ganze zweieinhalb Stunden verbrachten wir noch in der Karaokebox, welche nur ein einziges Manko hatte: wo zum Teufel blieben die Drinks? Leidenschaftliches Singen so ganz nüchtern ohne Whisky-Grüntee erfordert dann doch einiges an Überwindung.

Wie dem auch sei, nach insgesamt dreieinhalb Stunden Wartezeit (wer macht so was bitte?) war unser Tisch endlich frei. Kaum Platz genommen, war klar, dass jetzt zum ersten Mal an diesem Abend der Switch von Über-APP 1 auf Über-APP 2 vollzogen werden musste. Am Tischrand war ein Kleber mit einem QR-Code, zu Scannen mit Alipay, der Monster-App von Alibaba, die den Mobilmarkt statt von der Messaging-Seite von der E-Commerce/Zahlungsmittel-Seite aufrollt.

Einmal kurz Scannen und schon wurde der eigene Account mit der Tischnummer und dem Alipay-Account des Restaurants verlinkt, wo man gemütlich alle Zutaten für den Hotpot auf der elektronischen Speisekarte am Handy aussuchen und zusammenstellen konnte. Zu guter letzt kurz die Bestellung abgegeben - Bezahlung erfolgte via Alipay direkt - und schon spurten die ersten Kellnerinnen mit den Gerichten an. Nur Kauen schaffen diese APPs noch nicht.
27.12.17 04:19
 
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